Freitag, 6. September 2013

Pokerface

Nur wenige wissen es, aber ich spiele recht gerne Poker. Was nicht heißt, dass ich es gut kann, ich arbeite noch daran. Mein Pokerface versuche ich ebenfalls zu trainieren - und nach gestern, werde ich damit nicht aufhören. Es begann alles damit, dass ich um 8 Uhr gut gelaunt ins Cafê spaziere, mein Fahrrad abstelle und die ersten Kunden an der Kasse bediene. Es gibt im Café auch immer wieder ruhigere Phasen, in denen meine Kollegen und ich uns unterhalten. Da fragt mich plötzlich mein Arbeitskollege, ob ich an Leben im All glaube. Ich denk mir nicht viel und antworte wahrheitsgemäß, dass ich nicht dran glaube. Tja, Rahel, falsche Antwort. Denn unter Verstärkung einer anderen Kollegin beginnt man mir zu erzählen, warum es eigentlich klar ist, dass es Aliens gibt. Anfangs huschen meine Augen nur zwischen den beiden hin und her, halb verunsichert, halb amüsiert. Ich fragte mich, ob ich wohl grade veräppelt werde oder nicht. Dann wurde mir der Unterschied zwischen guten und bösen Aliens erklärt, und dass man nicht Aliens mit den Aliens aus den Filmen gleichsetzen darf. Es gibt ab einem gewissen Punkt eine Stimme in mir, die ich Klugscheißerstimme nenne. Sie bringt mich regelmäßig in Schwierigkeiten, ist aber unglaublich link, weil sie manchmal einfach losplappert, bevor ich sie aufhalten kann. An dieser Stelle erwachte sie zum Leben. Das einzige was sie aufgehalten hat, war wohl die englsche Sprache, die ich immer noch nicht so richtig fließend drauf hab. Also durften nur meine Gedanken mit ganz viel besserwisserischem Quark bereichert werden. Während ich also innerlich einen kleinen Kampf austrug, setzte ich nach außen ein nahezu petfektes Pokerface auf. Ich habs nunmal nicht mit Aliens, und ich glaube nicht daran, dass mitten unter uns Aliens leben. Ich war etwas überfordert mit der Situation, wobei viele Beweise wirklich interessant waren, ich habe sie nur nicht auf Aliens zurückgeführt. Zum Beispiel gibt es da Skippy, das Pferd, das in den 70 er Jahren tot gefunden wurde, jedoch ohne Blut in sich zu haben und von keinem Geier oder anderen Aasfressern angerührt wurde und auch nach mehreren Wochen keine Spuren der Verwesung zeigte. Meine Kollegen glauben, dass Skippy ein Alien ist, ich glaube, dass es einfach nur ein ziemlich schräges Pferd ist. Jedenfalls steckt Skippy das Pferd noch heute im Schrank von irgendeinem Geschäftsführer und noch immer gibt es keine Spur der Verwesung. An dieser Stelle ist mein Pokerface übrigens zusammengebrochen und ich hab meinem Ekel durch ein langezogenes: " Iiih." Luft gemacht. Wer macht denn sowas, ein totes Pferd bzw. ein Alien in seinem Büroschrank aufheben? Total barbarisch! Aber dadurch wurde die Situation weniger angespannt für mich, und ich fands total niedlich, wie die beiden voller Überzeugung von ihren Aliens erzählt haben. Das sind wirklich zwei Menschen mit ganz großem Herz! Und deshalb dürfen sie mir auch von Aliens erzählen, wer weiß, vielleicht liegen sie ja richtig und ich falsch. Wenn ihr ein UFO entdeckt, schickt mir bitte ein Foto! Der Rest des Tages lief ziemlich gut, das Café war gut besucht, wir hatten viel Spaß hinterm Tresen und alles in allem fuhr ich zufrieden nach Hause. Abends denk ich mir...geh mal in den kleinen Supermarkt, und etwas zu Fuß laufen tut dir auch gut. Es war noch ziemlich hell draußen, und ich geh vorsichtig an jedem Vorgarten vorbei, und vermeide all jene die komplett eingezäunt sind ( da warten nämlich diese aggresiven Wachhunde, die auf den Zaun zuspringen und dich zähnefletschend anbellen) und genieße die frische Luft während ich in den nächsten Vorgarten spähe, und schaue, ob einer der Beißerchen auf mich wartet, und ich sehe, dass der Zaun nicht besonders groß ist und der komplette Vorgarten praktisch frei begehbar ist - also keine Hunde. Erleichtert gehe ich an dem Haus vorbei als ich plötzlich etwas ungewöhnlich Großes neben mir bemerke. Ich schaue nochmal in den Vorgarten und keine 3 Meter neben mir steht ein Reh. Ein richtiges echtes lebendiges Reh! Ich bleibe also stehen ( ich weiß, nicht klug) und starre das Reh an, und das Reh starrt mich an. Wirklich, das bewegte sich nicht, das starrte mich einfach nur an. So still, das ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob es wirklich echt war. Ich schaue mich also um, hatte etwas das Gefühl, das ich verrückt geworden bin, und bin natürlich alleine auf der Straße. Ich schaue wieder in den Vorgarten und da steht immer noch das Reh. Rehe sind übrigens riesig, sie sind größer als ich und machen einen sehr gefährlichen unberechenbaren Eindruck. Ich halte Blickkontakt und gehe ein paar langsame, sehr bedächtige Schritte nach vorne, weg vom Reh. Und es folgt mir mit den Augen und zuckt mit dem Ohr, ein vollkommenes Pokerface. *-* Für mich war jedenfalls klar, dass das Ding echt ist, uns meine Fluchrinstinkte schlagen Alarm. Ich gehe also schnellen Schrittes weiter, und schaue alle 5 Meter zurück, ob mich das Reh verfolgt. Hoffentlich fahre ich niemals ein Reh an, die haben etwas wirklich elegantes aber auch einschüchterndes an sich. Und hätte mich eine Ehemalige in Deutschland nicht vorgewarnt, dass in der Stadt Rehe rumlaufen, wäre ich wahrscheinlich viel panischer geworden. Von wegen, das Tier hat mehr Angst vor dir, als du vor dem Tier. Das Reh blieb vollkommen cool. Rehe und Menschen sind zutiefst missverstandene Wesen!

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