Dienstag, 10. September 2013
Neues aus dem Wilden Westen
Hier in Alamosa trifft man ne ganze Menge merkwürdige Menschen. Zum Beispiel einen Colonell vom Militär, der in den Laden kommt und sich eine Stunde mit dir unterhält und dann wieder geht...natürlich ist er vorher sicher gegangen dir die krassesten Geschichten zu erzählen, nach denen du nur schluckst und ihn mit großen Augen anstarrst.
Oder der Spanier, Rosendro, der fast kein Wort Englisch spricht und sich trotzdem mit dir unterhalten möchte. Hatte zur Folge dass sich sämtliche Sprachsensoren geöffnet haben und ich mit ihm Deutsch, Englisch, Tigrinya, Französisch, Italienisch und Spanisch gesprochen habe. Hat gut geklappt, wir haben uns zumindest verstanden ( Latein kann wirklich nützlich sein). Der beste Satz von mir war: " Ich spreche kein Spanisch." Genauso, O-Ton. Auf deutsch. Joa. Ich hab mich dann mal ausgelacht. Hier sind so viele Kulturen unterwegs, dass man irgendwie selbst multikulturell wird, also so richtig multikulturell. So habe ich mich zum Beispiel vor 4 Mönchen verbeugt, als Zeichen des Dankes - hatte ein heftiges Trinkgeld zur Folge. Deshalb hat sich mein Inneres ' Was war das denn jetzt für ne Aktion?!' in ein ' Not bad, Rahel, not bad!' verwandelt. Das Trinkgeld hier ist ohnehin der Hit, jegliche Ausgaben werden so gut wie abgedeckt, was gut ist, da ich erschreckend hohe Ausgaben habe, selbst bei den kleinsten Einkäufen.
Es wurden übrigens Bären gesichtet, gleich drei riesige braune Bären. Und ich fand das Reh gruselig ( was es eindeutig war!).
Wenn ich Enya in der Vergangenheit mal gern gehört hab, so hat sich das eindeutig geändert. Acht Stunden jeden Montag und Mittwoch...ist wie 10 Stunden Tetris Musik. Habe also die notwendigen Maßnahmen ergriffen und meine Musik angeschlossen...vieel besser! Ab und zu schallen ein paar frische aufweckende Beats durch den Raum. Wurde ganz gut aufgenommen.
Meine Zimmernachbarin hat sich einen eigenen Fernseher und DVD- player gekauft...und schaut sich seit dem alle möglichen Horror und Actionfilme an. Bis in die Nacht klingen deshalb Todesschreie in mein Zimmer. Ist irgendwie lustig, weils so grotesk ist, das jeder vor sich hinschnarchen will ( ich schnarche natürlich nicht, ist nur so ne Metapher) und sie sich Horrorfilme ansieht. Außerdem lacht sie immer wenn jemand schreit, das ist noch viel lustiger!
Zurück zur Arbeit. Als wir in Deutschland davon gesprochen haben Erfahrungen zu sammeln und sich Herausforderungen zu stellen, wusste ich noch nicht das Kaffee trinken auch darunter fällt. Aber es ist nunmal ungünstig, wenn man als überzeugter Nicht-Kaffeetrinker in einem Café arbeitet. Denn auf Fragen, wie der und der Kaffee schmeckt, kann ich nicht wirklich eine Antwort geben. Das soll sich ändern, und deshalb probiere ich seit heute jeden Espresso, Kaffee was weiß ich Latte mix höchstselbst. Es begann mit dem Almond Joy, eine Art Latte mit Kokosnuss und Mandelsirup. Er war besser als ich dachte. Kann ich also empfehlen, danach hat sich mein Kopf allerdings etwas abgehoben angefühlt, lag vielleicht an dem ebenfalls koffeinhaltigem Tee mit dem ich den Kaffeegeschmack weggespült habe. Kaffee ist und bleibt einfach ein Notfallgetränk! Jaa, ihr Kaffeetrinker habt natürlich jeden Tag einen Notfall, ich weiß.
Wie es sich alleine so lebt? Gut. Manchmal sehr gut. Manchmal nicht so gut. Und manchmal freaking, fucking awesome! Heute zum Beispiel war letzteres der Fall, weil ich mir wraps zum Abendessen gemacht habe. Und die waren günstig, lecker, gesund, trotzdem lecker, frisch, dadurch noch leckerer, und ich hab von allen Zutaten noch was auf Lager. Und das macht diese Wraps einfach Freaking, Fuckin Awesome! Ich muss mich nur noch daran gewöhnen in Mengen zu kochen, die nur mich und nicht eine Kleinfamilie sättigen. Ist etwas schwer, weil man so wenig braucht. Ich habe bis jetzt nie nur für eine Person gekocht, aber das wird von Tag zu Tag besser.
Heute habe ich außerdem zwei 1 Dollar Münzen bekommen, was ziemlich cool ist, da die eher selten sind ( stellt euch vor ihr kriegt einen 1 Euro Schein - kriegt ihr eh nicht, gibts nämlich nicht, alle Hoffnung zerfällt, ich weiß). Noch seltener sind zwei Dollar Scheine ( auch nicht im Euro erhältlich, nope) aber den Schein hab ich auch noch nicht gesehen.
Joa, ich glaub, das reicht für heute auch erstmal. Man hat mir übrigens zur Modelkarriere geraten, sowas kann echt nur von nem waschechten Amerikaner kommen...aber die Begründung war niedlich, deshalb hab ich ihn nur kurz ausgelacht. War der Kolonell, der das vorgeschlagen hat...ach ja, der war schon ein Individuum...aber ein gutes, wirklich.
Morgen hab ich so eine Orientierungssache, ich bin gespannt.
Liebste Grüße an Euch alle!
Rahel
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