Mittwoch, 9. April 2014

Ein etwas anderer Eintrag als sonst

Ich habe momentan eine kleine Schreibblockade, dabei gibt es so vieles, was ich erzählen könnte. Aber kennt ihr das, wenn es einfach so anstrengend ist über einen bestimmten Vorfall zu berichten? Das ist so,wie wenn man einen Aufsatz über ein politisch relevantes Thema schreiben soll, das einen auch sehr interessiert, aber dann gibt es so vieles, womit man sich vorbereiten muss und was man lesen muss etc., etc.. Warum schreibe ich also trotzdem? Weil ich weiß, dass ich es in spätestens einem Jahr bereuen würde, wenn ich mich nicht mehr an meinen April in Amerika erinnern könnte, bzw. nicht so detailiert. Also ja. Los geht´s. 
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Ich versuche grade genügend Euphorie aufzubringen, ich schmeiß mal eben etwas Musik an, um mich vom Rhythmus der Musik mit kopfwippender Begleitung in den nötigen Flow zu bringen. 
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Okay, ich leg ja schon los, menno!
Ende März und vor allem auch momentan die Zeit im April ist für mich eine Härteprobe. Es ist zwar wärmer geworden, aber erst vor wenigen Tagen hatten wir neuen Schnee, das Wetter schwankt also momentan ziemlich heftig zwischen -12 und + 20°C. April, April, er macht was er will. Den Satz lernt man schon im Kindergarten, aber so heftig wie hier hab ichs noch nie erlebt. 
Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, warum ich mich in einem Tief befinde, denn oberflächlich gesehen, ist alles ziemlich gleich geblieben. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir momentan Zeit nehme um auf die vergangenen Monate zurückzublicken und die Erfahrungen, die ich gemacht habe mit den Vorstellungen, die ich hatte, vergleiche. Und wenn ich an die Zeit unmittelbar vor diesem Jahr zurückdenke, dann sehe ich mich kurz vor dem Ausreiseseminar auf meinem Bett sitzen und darüber nachdenken, welches meiner zwei Lieblingszitate ich für die Gruppe an Freiwilligen zum Vorlesen wählen soll. Ich hatte mich für folgendes entschieden:
,, Ich ging in die Wälder,
denn ich wollte wohlüberlegt leben;
intensiv leben wollte ich,
das Mark des Lebens in mich aufsaugen,
um alles auszurotten, was nicht Leben war.
Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde,
dass ich gar nicht gelebt hatte"
(Henry David Thoreau)
Klingt ziemlich schwulstig, nicht wahr? Aber seit ich dieses Zitat und vor allem den letzten Satz zum ersten Mal gehört habe, schallt es in meinem Kopf wie ein Echo nach. ,,Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte." 
Dieses Jahr war damals für mich so eine Art Erfüllung dessen, was dieses Zitat verlangt und fordert: Leben. Und wenn ich nun zurückblicke sehe ich, dass ich goldrichtig lag! Dieses Jahr ist eine absolute Bereicherung, denn ich lebe!! So viel Lebensfreude steckt in diesem Jahr, so viele Glücksmomente! 
Dieses Jahr war und ist für mich ein Traum. 
Aber auch Träume haben ihre dunkle Seite und diese Zeiten sind alles andere als freudig. Meine Vorstellungen von vielen Abenteuern und Geschichten sind nicht immer ganz erfüllt worden, und mein Dienst hier erreicht nicht immer auf direktem Wege jene, denen ich so gern helfen möchte. Mich mit den kleinen Dingen zufrieden zu geben, ist es, was mir jetzt, im Frühling, so schwer fällt. Und als mir das bewusst geworden ist, habe ich mich an mein zweites Lieblingszitat erinnert, dass ich damals nicht für die Gruppe gewählt habe. Es ist eigentlich ein Dialog in einem (nicht sehr niveauvollem) Film: "Können Sie sich an den Kobold erinnern?" - "Hä?" - "Den aus der Müsli-Werbung." - "Das 'Die schmecken einfach zauberhaft'-Kerlchen?" - "Genau. Er is' ständig auf der Jagd nach einem Topf Gold am Ende des Regenbogens. Aber wenn er dort ankommt, nach all der Suche, sind es doch nur Cornflakes." 
Dieses Filmzitat stammt aus dem Film Klick. Der Film behandelt das Thema eines Mannes, (okay, Adam Sandler, aber darum geht´s nicht), der so sehr auf den Erfolg seiner Karriere fixiert ist, dass er gar nicht bemerkt, wie er das, was ihm am wichtigsten in seinem Leben ist, verliert: Seine Familie. Und als er dann reich und erfolgreich ist, muss er plötzlich feststellen, dass es überhaupt nicht so toll ist, reich und erfolgreich zu sein, und dass das, was er für einen Topf voller Gold gehalten hat letztendlich nur eine Packung Cornflakes ist. 
Genau wie mein erstes Zitat trifft auch dieses auf meinen Freiwilligen Friedensdienst zu. Viele meiner Erwartungen wurden getroffen, manchmal sogar übertroffen, aber viele sind auch total dran vorbeigeschossen (und ich weiß, dass meine Fantasy manchmal mit mir durchgeht, ich hab früher geträumt, dass ich Superman mit so nem supercoolen roten Cape bin und kleine Helferchen habe, mit denen ich zusammen die Welt rette).
Das ich nicht die Welt retten kann, hab ich irgendwann kapiert, aber meine Vorstellungen, wie ich in diesem Jahr helfen würde, waren dennoch größer. Wir retten hier in Alamosa Leben! Aber eben nicht durch große Heldentaten, sondern durch unsere alltägliche Arbeit. Und der Alltag lässt einen schon mal vergessen, dass man sehr wohl hilft, und Großes erreicht. Konfrontiert mit dem nun immer näher rückendem Abschied, der Zeit danach, aktuellen Situationen und dem wie anfangs erwähnt nervigen Wetterschwankungen, verliert man das große Ziel manchmal aus den Augen. 
Und die Isolation von der Außenwelt fühlt sich in Tagen wie diesen wie ein Gefängnis an, aus dem man nur schwer entfliehen kann. Dabei ist es aber auch diese Isolation, die einem wieder die Ruhe und Kraft schenkt um aufzustehen und weiterzumachen. Um das Ganze im Blick zu behalten und einem die Schönheit und Bedeutsamkeit wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Es ist eben, wie so vieles, eine Herausforderung, an der ich wachse. 
Denn manchmal bedarf es viel Ruhe und Geduld um seine Ziele zu erreichen.

Ich arbeite momentan noch daran, das Ganze im Blick zu behalten und es fällt mir viel schwerer als erwartet. Aber ich bin auf einem guten Weg.

Damit möchte ich diesen Eintrag auch schließen und schicke euch wie üblich ganz viel Liebe.

Rahel



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